Schülerinnen und Schüler machen Radio

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von Susanne Krucsay

„Wo geht es hier zum Schülerradio?“ Diese Mutation eines allseits bekannten Werbeslogans leitete vor 11 Jahren die Einladung an Lehrende und Lernende ein, sich auf das Abenteuer mit dem Hörmedium Radio einzulassen. Was – schon 11 Jahre? – eine relativ kurze Zeitspanne, aber eine, in der sich an den Medienwelten ziemlich radikale Veränderungen vollzogen haben. 1997 befassten sich medienpädagogische Welten vorwiegend mit analogen Medien, hin und wieder wurden natürlich Betrachtungen über das kommende digitale Zeitalter angestellt und parallel dazu im Bildungswesen mehr Augenmerk für die Einbeziehung von Medien gefordert.

Warum ließen wir uns aufs Radio, ein traditionelles Medium, ein? Aus dem gleichen Grund, der nach wie vor auch 2009 gilt: Medien, gleichgültig zunächst, ob analog oder digital, bestehen aus den Basiselementen Wort, gesprochen/gedruckt, dem Ton, dem Standbild, dem bewegten Bild und Graphiken – einzeln und in einer Vielfalt von Zusammensetzungen – und diese Basiselemente gilt es zuallererst zu verstehen. Radio eignete sich damals wie heute gleichermaßen, Wünsche, Anliegen, Berichte, kurz eine breite Palette von unterschiedlichen Textsorten medial zu artikulieren und einer breiteren Öffentlichkeit mitzuteilen. Rückblickend ging es damals schon um Partizipation, einen Begriff, der erst mit dem Einzug der digitalen Kommunikation an Schärfe gewinnen sollte. Medien selbst zu produzieren machte und macht Spaß. Dass dabei auch Reflexion nicht zu kurz kommt, ist der Mehrwert einer differenzierten kritischen pädagogischen Praxis, die gerade beim Radio äußerst fruchtbar sein kann. Mit Tönen zu arbeiten schärft die Wahrnehmung, ist die Basis für die Erkenntnis, dass der Ton ein gleichberechtigter Partner bei der Herstellung von Bedeutung ist – nicht allein das Bild. Dabei geht es nicht darum, Grundelemente der medialen Alphabetisierung gegeneinander auszuspielen, sondern Menschen zu einer differenzierten Auseinandersetzung mit der Umwelt zu führen. Dass wir in einer geräuschvollen Zeit leben, ist offenkundig, so offenkundig, dass wir die permanente Geräuschkulisse gar nicht mehr wahrnehmen, häufig macht uns Stille sogar betroffen und unruhig. Radiomachen ist ein Weg zu einer bewussten Begegnung mit Tönen und deren Gegenteil, der Tonlosigkeit, die auch ein Bestandteil bei der Produktion ist.

Radiomachen ist, wie Medienmachen überhaupt, eine fächerübergreifende, fächerumfassende Praxis. Ein fixer Hafen ist Deutsch, das mit Schreiben und Textabfassen die produktive Seite, mit Lesen und Hören die rezeptive Komponente anführt. So wie Deutsch als Sprache die Grundlage aller Bereiche von Wissen und Erkenntnis ist, können wir mit dem Medium Radio – gleichgültig ob analog oder digital – in all den anderen Unterrichtsgegenständen kreativ werden, selbst das visuelle Medium, der Film, war schon Thema einer Schülerradiosendung. Ob kulturelle/interkulturelle Begegnungen, biologische Themen, soziale und wirtschaftliche Fragen, es gibt nichts, was von fantasiebegabten, erfindungsreichen und interessierten Schülerinnen und Schülern nicht als Radiosendung behandelt worden wäre.

In dem Sinn freut sich Schülerradio 1476 auf viele weitere Beispiele von originellem und kreativem Umgang mit dem Radio!

MR Mag. Susanne Krucsay war langjährige Leiterin der Abteilung Medienpädagogik im Unterrichtsministerium. Sie hat zahlreiche Artikel und Aufsätze zur Mediendidaktik und Medienerziehung verfasst und ist Chefredakteurin der Fachzeitschrift MEDIENIMPULSE sowie Mitglied in mehreren internationalen Gremien im Bereich Medienpädagogik.